Was ist Hypnosetherapie?
In der Hypnosetherapie findet therapeutisches Arbeiten mit fokussierter Aufmerksamkeit in der Imagination statt. Klient:innen befinden sich dabei nicht in einem weggetretenen oder manipulierbaren Zustand, sondern in einer leichten Trance: hellwach, präsent und gleichzeitig tief nach innen gerichtet. Es stellt sich eine Art vertiefender Flow ein, in dem äußere Umstände in den Hintergrund treten und das innere Erleben in den Vordergrund rückt.
Die Art, wie ich Hypnose praktiziere, erinnert an Mentaltraining aus dem Hochleistungssport, verbunden mit einer bewussten Rückbindung an das körperliche, überwiegend rechtshemisphärische Denken.
Warum Hypnosetherapie?
Viele psychotherapeutische Ansätze bearbeiten über lange Zeit biografische Inhalte auf kognitiver Ebene, ohne die zugrunde liegenden inneren Wahrnehmungs- und Reaktionsmuster wirklich zu verändern. Häufig wird an Symptomen gearbeitet, während der innere psychische Konflikt bestehen bleibt.
Hier setzt Hypnose an. Nicht als magischer oder nebulöser Zustand, sondern als gezielte Aufmerksamkeitslenkung nach innen, als Imagination und mentales Erleben. Hypnose gleicht dabei einem sanften Dösen: Der Geist wird ruhiger, die äußere Kontrolle tritt zurück, und innere Bilder, Empfindungen und Erfahrungen werden zugänglich.
In Hypnose verschiebt sich die Aufmerksamkeit von äußerer Kontrolle zu innerem Erleben. Selbstkritisches Grübeln nimmt ab, während emotionale, körperliche und erfahrungsbasierte Verarbeitungsprozesse zugänglicher werden.
Weshalb funktioniert das?
Die meisten psychischen Probleme sind keine Probleme der äußeren Realität, sondern des inneren Erlebens. Angst, innere Blockaden oder emotionale Überreaktionen entstehen zwar häufig primär kognitiv, doch äußern sich im Körper.
Denn Emotionen spielen sich nicht im Denken ab, sondern im Körper. Sie zeigen sich in konkreten körperlichen Empfindungen, in bestimmten somato-emotionalen Zentren. Und genau dort regulieren sie sich auch wieder. Wenn man die Aufmerksamkeit hinlenkt (Interozeption).
Reines kognitives Verstehen reicht deshalb nicht aus, um Angst oder andere innere Überreaktionen aufzulösen, weil es das sprachliche Denken oft sogar weiter antreibt und das innere Erleben sich dadurch meist nicht verändert.
In der Hypnosetherapie wird die permanente Selbstbeobachtung und Kontrolle reduziert, während der Zugang zu inneren, emotionalen und körperlichen Erfahrungsräumen erleichtert wird. Neuropsychologisch betrachtet verschiebt sich die Balance weg vom ständigen Grübeln und Bewerten hin zu einer geordneteren und von selbst ablaufenden inneren Verarbeitung. Das Default Mode Network (das Netzwerk im Gehirn, das innere Erfahrungen, Erinnerungen und unbewusste Bewertungen organisiert) erhält Raum, ohne in alte Gedankenschleifen zu kippen. Gleichzeitig werden Körperempfindungen, Gefühle und innere Bilder stärker wahrnehmbar.
Unverarbeitete, oft dissoziierte Gefühle können so nicht „im Kopf“, sondern im Erleben und im Körper verarbeitet werden. Genau hier entsteht Veränderung: Neue innere Erfahrungen führen zu neuen neuronalen Verknüpfungen. Nicht durch reines Verstehen, sondern durch tatsächliches Erleben.